Ich betreibe Modellbau seit 1958/59. Meine ersten Schritte machte ich ausnahmslos mit dem Kartonmodellbau wie er sich zur damaligen Zeit in der DDR entwickelte. Ich glaube auch sagen zu können, dass ich fast alles (nicht wörtlich zu nehmen) was zu dieser Zeit auf den Markt kam, gebaut zu haben. Mit 8 bzw. 9 Jahren geht man noch nicht so zielstrebig und konsequent an den Modellbau wie ich es dann in den folgenden Jahren gemacht habe und noch heute praktiziere. Als Schüler in der 2. und 3. Klasse war man schnell zu begeistern und musste sich erst Geduld und Ausdauer aneignen. Außerdem standen schulische Anforderungen im Mittelpunkt und die finanzielle Ausstattung war nicht die Umfangreichste.
Mein erstes eigenständig gebautes Modell, war ein Frosttrawler wie er in der Fischereifangflotte der DDR zum Einsatz kam. Damit wurde ich auch Sieger im Modellbauwettbewerb innerhalb des Kinderferienlagers. In diesen Anfangsjahren konzentrierten sich auch meine Modellbauaktivitäten auf die Aufenthalte in den Kinderferienlager wo auch ein ausgiebiges und kostenloses Angebot von Ausschneidebögen sowie den Pinguin- und Kranich-Modellbögen vorhanden war. Mit dem Bau der MiG-15 und MiG-15 UTI begann sich die Leidenschaft für "Flugzeugmodelle" zu entwickeln sowie der Berufswunsch, Militärflieger zu werden. Ab 1960 erfolgte auch der Bau von Plastikmodellen. Dieser begann mit dem tschechischen Flugzeugtyp "Aero 45" sowie der "152" aus dem Flugzeugbau der DDR. Diese waren für mich persönlich zwei entscheidende Modellbausätze, da ich zum ersten Mal mit Messer, Feile, Schleifpapier und Farbe arbeiten musste. Die Bausätze selbst waren sehr einfach gestaltet und stellten keine zu großen Anforderungen für einen Jungen wie mich dar, da ich schon mit dem Kartonmodellbau andere Anforderungen kennen gelernt hatte. Leider hatten diese beiden Plastikmodellbausätze keine lange Lebensdauer, da sie als Spielzeug dienten und ich es einmal vergessen hatte ein anderes Versteck, als die Ofenröhre von unserem Zimmerofen, zu wählen. Bis weit in die 70'iger Jahre hinein betätigte ich mich im Bereich des Kartonmodellbaues und des Plastikmodellbaues. Schwerpunkt bildeten dabei vorrangig Flugzeugmodellbausätze. Aber auch Schiffs- und Panzermodelle wurden von mir gebaut. Die interessanteste Zeitspanne war für mich die zweite Hälfte der 60'iger Jahre, wo das Angebot von Kranich-Modellbögen sehr umfangreich und qualitativ ein gutes Niveau erreichte. Es war für mich die Zeit, wo ich nicht mehr viele Gänge zu SERO absolvieren musste, sondern durch eine bessere finanzielle Situation auch meine Modellbauwünsche realisieren konnte. Ich hatte nicht nur bei einigen Postangestellten an den Zeitungskiosken unserer Stadt eine "Adresse", man konnte auch einen vom Verlag "Junge Welt" angebotenen Bestellservice nutzen. Leider musste ich mit Beginn meiner beruflichen Entwicklung (militärische Laufbahn) Abstriche an der Fortführung meines Hobbys Modellbau machen.
Mit Gründung meiner Familie 1973 und der Geburt meiner Kinder, begann ich wieder etwas zielstrebiger mit meinem Hobby, dem Modellbau. Für meinen Sohn hatte ich fast alle Plastikmodellbausätze im Bereich Flugzeugmodelle gebaut und damit die Ausgestaltung des Kinderzimmers wesentlich beeinflusst. Ein Angebot der Redaktion Modellbogen von der "Jungen Welt" für die Nachbestellung von Kranich-Modellbögen, wurde von mir zwar angenommen, aber nicht bis zum Abschluss zu Ende geführt. Seit 1987 habe ich dann wieder zielstrebig mit der Fortsetzung meines Hobbys begonnen. Über Angebote von Plastikmodellbausätze aus der ehemaligen UdSSR, CSSR und DDR fing ich wieder an, eine Sammlung von bestimmten Flugzeugtypen, welche in der Entwicklung der Militärluftfahrt eine Rolle gespielt haben, gezielt anzuschaffen (zu kaufen) und zu bauen.
Das umfangreichste Angebot bestand in Flugzeug- und Schiffsmodellen in Kartonbausätzen sowie auch PKW-, LKW- und Panzertechnik. Die Herstellung und Vertrieb erfolgte über den Verlag "Junge Welt" und der Redaktion Fröhlich sein und singen. Anfänglich waren es reine Ausschneidebögen mit der Typbezeichnung des Modellbausatzes und gingen dann in "Kranich-Bögen" und "Pinguin-Bögen" über. Die Herstellung und Vertrieb verblieben bis zum Ende beim Verlag "Junge Welt". Die Entwicklung der Kranich-Modellbögen wurde spezieller für den Bereich Modellbau für Jugendliche und Erwachsene und die Entwicklung der Pinguin-Modellbogen spezialisierte sich auf den Modellbau für Kinder. Parallel zu den Kartonbausätzen entwickelte sich auch ein Angebot an Plastikmodellbausätzen. Hier hatten mich nicht nur die zwei o. g. Bausätze von der Super-Aero 45 und der Typ 152 begeistert, sondern auch die Modelle von der IL-14, der IL-18, der TU-104 und der TU-114. Auch die Bausätze von der Caravell, der Boeing 727, der DC-8 und der Comet waren für mich tolle Flugzeugbausätze.
Da ich auch Schiffsmodelle und Panzer gebaut hatte, stand irgendwann auch die Frage nach dem Platz. Die Schiffsmodelle wie der "Sowjetische Raketenzerstörer", der "Kreuzer Zwerdlow", das "Frachtschiff Frieden" oder der "Tanker - Leuna I" und nicht zu vergessen der "Atomeisbrecher LENIN", waren Modelle mit fast einen Meter Länge und mehr große Modelle. Leider hatten nicht alle von mir gebauten Modelle eine Überlebenschance. Am längsten konnte ich die Modelle von der TU-22, der TU-128 und der E-266 (MiG-25) vor der Zerstörung bewahren.
Einige Bemerkungen zur Qualität, der in der DDR erhältlichen Kartonmodellbausätze (Kranich-Modellbogen). In der Regel waren es mit guter Qualität ausgeführte Farbdrucke (anfänglich Silberdruck) und es bestand eine gute Passgenauigkeit und detaillierte Ausgestaltung des Modells zu seinem Original. Die Bauanleitungen mit ihren bildlichen Darstellungen, entsprachen ebenfalls einem guten Qualitätsstandard. Im Vergleich zu heutigen vorhandenen Kartonmodellbausätzen, waren Cockpit und Fahrwerksschächte nicht gesondert ausgestaltet. Tat aber dem äußeren Erscheinungsbild des Modells kein Abbruch. Mit Einführung des Aluminiums beschichteten Kartonbausatz (Bausätze auf Metallfolie), traten dann doch einige Qualitätsprobleme auf. Die Farbechtheit der auf dem Aluminium aufgedruckten Konturen erwies sich doch nicht als sehr stabil gegenüber Einwirkungen von Klebstoff wie Kitifix und Duosan. Auch musste diese Beschichtung entfernt werden, wenn Teile wie Tragflächen an den Rumpf mit der entsprechenden Festigkeit ausgestattet werden sollten. Bei entsprechender Sorgfalt, erzielte man mit ganz einfachen Mitteln ein gut aussehendes Modell. Mit dem heutigen Angebot in der Farbpalette, lassen sich natürlich Modellverfeinerungen erreichen, von denen ich damals nur träumen konnte. Anders sah es dann aus, wenn man im Modellbauzirkel - so es einen in der Schule oder anderen Träger gab - mitwirkte und dort seine Modellbauwünsche realisieren konnte.
Meine Modellbauaktivitäten fanden immer in der Wohnung, also im normalen Wohnumfeld statt. Ich konnte nicht auf Werkstatträume zurück greifen oder andere räumliche Möglichkeiten. Dies führte auch dazu, dass man in seinen Überlegungen - welchen Maßstab möchte ich bauen - immer Kompromisse eingehen musste. Als Kinder und Jugendliche starteten wir, meine Brüder und ich, auch einen kurzen Exkurs in den Bereich der Modelleisenbahn, der leider nicht von langer Dauer war. Ich griff diesen Bereich des Modellbaues in den 80'iger Jahren wieder auf und gestaltete für meinen Sohn eine Modelleisenbahnanlage in der Spurweite TT in den Maßen 1,80 m x 1,40 m. Diese Anlage existiert noch und befindet sich im konservierten Zustand im Abstellraum. Die Idee, diese Homepage einzurichten, entstand, nach dem ich mit dem erneuten Bau einer TU-128 im Maßstab 1:33 Ende vergangenen Jahres (2007) ins Internet gegangen bin und unter der Web-Adresse www.kartonmodellbau.net zu begutachten bin. Desweiteren habe ich mit meiner Sammlung von MiG-Flugzeugen fast alle in Serie gegangenen Modelle gebaut. Ausnahme bilden der Doppelsitzer und die Trainerversionen von der MiG-25 und die noch im Bau befindliche MiG-23 UB/UM. Die Doppelsitzerversion der MiG-25 U habe ich zwischenzeitlich auch erwerben können und werde diese auch noch präsentieren. Die von Italeri/Faller angebotene MiG-37 "Ferret" habe ich zwar auch als Modell stehen, sie ist aber meines Wissens nicht in Serie gegangen. Trotzdem habe ich sie nach langem Zögern mit eingestellt.
Ich bin sehr angenehm davon berührt, dass diese Homepage seit ihrem Start, eine positive Resonanz entwickeln konnte. Mit der Präsenz im Internet steigen natürlich die Ansprüche und Anforderungen, so dass ich bei der Entwicklung und Gestaltung von neuen Projekten sowie der Überarbeitung von bereits vorliegenden Projekten jetzt bereits abwägen muss, was ist wichtig und was kann warten. Mit dem Bau von Dioramen, auf denen Bogendeckungen und Flugplatzbereiche dargestellt werden, habe ich zwar Neuland betreten, aber aus der Erfahrung mit dem Modelleisenbahnbau einiges übernehmen und weiter führen können. Momentan arbeite ich die vorhandene Kfz-Technik auf, die für einen Flugbetrieb notwendig ist. Hier habe ich alle aus meiner Sicht notwenigen Modellbausätze beschaffen können. An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Eberhard Müller aus Hoyerswerda und Herrn Pawel Kosmider aus Berlin bedanken. Ein noch zubauendes Diorama mit der Darstellung einer Vorstartlinie oder Zubringer für SLB soll die Möglichkeit abrunden, meine Modelle im entsprechenden Ambiente abzulichten. Ein Teil ist auf dieser Homepage bereits zu sehen.
Mit dieser Homepage möchte ich mich in die breite Palette des Modellbaues einbringen und meiner Familie für ihr bisher gezeigtes Verständnis und dem großen Engagement meines Sohnes beim Einrichten dieser Homepage sowie deren weiteren Ausgestaltung "Danke" sagen.
Lothar Schlüter 07. Oktober 2011
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